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Unterwegs mit dem Fisheye

Annegret Jesorlowitz-Scheller beim Vorab-Shooting

Ich wollte einfach mal wissen, wie sich ein Fisheye so anfühlt an der Sony. Verschiedene Erfahrungsberichte ließen mich ein Objektiv von

Samyang bestellen: Das 12 mm/2,8 Fisheye. Ich habe damit fotografiert ohne Ende. Viele, viele Fotos hatte ich schlussendlich auf der Karte. Alle knackscharf, trotz manuellem Fokus. Und doch schafften es nur wenige zu meinem persönlichen "Gefällt mir". Zum Immerdrauf-Objektiv taugt es damit wohl keineswegs. Und irgendwie braucht es hier mehr Übung als mit jedem anderen Objektiv. So gilt es doch einiges mehr zu beachten, als nur die alte Regel vom notwendigen Vorder-, MIttel- und Hintergrund zur Erzeugung der gewünschten Tiefenwirkung ...   Alles ist sehr, sehr speziell. Und manchmal hilft der fehlende Vordergrund dem Bild zum Erfolg.

Das Fisheye- oder  Fischaugenobjektiv ist ein extremes Weitwinkelobjektiv, das für starke Verzerrungen sorgt, weil es alle gerade Linien krümmt, die nicht exakt durch die Bildmitte laufen. Je kürzer die Brennweite, desto stärker werden diese Verzeichnungen, das Bild wirkt runder – und unwirklicher.

Mit passenden Motiven und dem richtigen Knowhow bieten Fisheye-Objektive aber einen sehr breiten Gestaltungsspielraum. Die gekrümmten Linien kanst du ggf. mit Lightroom am PC korrigieren. Teils durch die in LR hinterlegten Objektivkorrekturen, teils durch die Transformierenfunktionen. Entscheidend ist immer die Frage, welche Wirkung du mit dem Foto erzielen möchtest. Im folgenden habe ich mal drei Blöcke mit Fotos zusammengestellt.

Die (erste) nachfolgende Auswahl zeigt Fotos ohne jegliche Korrektur der Verzerrungen. Die Wirkung ist sehr unterschiedlich: Mal dominieren die gekrümmten Linien, mal fallen sie kaum ins Gewicht. Am wenigsten bemerkt man diese gekrümmten Linien bei Landschaftsaufnahmen ohne Objekte im Vordergrund. Vorausgesetzt die Kamera ist korrekt ausgerichtet. Willst du es aber mal so richtig krachen lassen, kippe die Kamera nach unten oder oben. So wie ich dies bei der Entstehung des Vorschaubildes getan habe.

In dieser zweiten Auswahl habe ich die Objektivkorrektur angewandt (für das 12 mm, aber auch das 35 mm Fisheye von Samyang). Auf weitere Transformationen konnte ich verzichten. Das erste Foto in dieser Auswahl ist identisch mit dem in der ersten Auswahl und zeigt anschaulich die unterschiedlichen Ergebnisse. Vor allem zeigt dies auch die sehr gute Qualität dieses Objektives: Verzerrungen werden (wenn man es denn wünscht) nahezu vollständig beseitigt! Stürzende Linien bleiben natürlich – außer man beseitigt auch diese in der Nachbearbeitung, so wie die Fotos in der danach folgenden dritten Auswahl dies zeigen.

Bei dieser (dritten) Auswahl nun sind alle Register der Nachbearbeitung gezogen: die Objektivkorrektur in LR (wobei ich hier sehr oft die für das 35 mm Fisheye von Samyang wählte, weil die eigentlich empfohlene Korrektur für mein 12 mm zu deutlichen Verlusten an den Bildrändern führte) und die Möglichkeiten, die LR in der Transformieren-Funktion bietet.

Ein kleines Fazit: Auch wenn sich  das Fisheye auf keinen Fall als Immerdrauf eignet: Es könnte für mich das Immermit werden, z. B. wenn es zum Fototrip in die Landschaft geht oder auch bei Architekturaufnahmen. Und sei es auch nur, um ein paar ganz spezielle Bilder zu komponieren. Ja selbst in der Porträtfotografie werde ich in den nächsten Shootings auch jeweils ein, zwei Gelegenheiten arrangieren, um vielleicht ein paar ausgeflippte Fotos entstehen zu lassen. Und sein es nur für das Profil meiner Models auf Instagram.

Wichtig für die Aufnahme ist die korrekte horizontale und vertikale Ausrichtung der Kamera. Außer du beabsichtigst z. B. eine solches Bild wie das von mir Eingangs gezeigte mit der krassen Wölbung des Horizontes. Und mindestens ebenso wichtig ist es, dein Hauptmotiv  so zu positionieren, dass noch genügend Spielraum zur Verfügung steht für die Objektivkorrektur, oder auch das Drehen und Entzerren. Du musst wissen, dass du dabei allerhand Inhalt an den Bildrändern verlierst. Einfacher gesagt als getan bei einer Festbreite, welche faktisch 180 Grad Blickwinkel abdeckt (und gerne auch mal deine Füße zeigt). Hier musst du dich als Fotograf ganz schön bewegen. Und besser ein Foto mehr schießen als gewohnt: Oft fällt das Urteil über das Foto erst am heimischen PC. Schön, dann eine größere Auswahl zu haben.


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